schlafender seelöwe

Surfen mit Samy, dem Seelöwen

Manchmal werde ich nach dem besten Erlebnis gefragt, das ich bisher auf Reisen hatte. Eigentlich fällt es schwer, sich auf ein Ereignis festzulegen. Mir fällt dann das Schnorcheln mit 300 wilden Delfinen ein, die flüssige Lava, die auf Hawaii ins Meer floss, mein Road Trip nach Alaska, der Grand Canyon und einige andere Dinge. Wenn ich mich aber wirklich für ein Erlebnis entscheiden müsste, würde ich sagen es war das Surfen mit Samy, dem Seelöwen.

Spontan hatten wir uns entschlossen in einem kleinen Hostel zu übernachten und uns die Gegend anzuschauen. An der Curio Bay können Pinguine beobachtet werden, wenn sie abends aus dem Wasser zurück zu ihren Nestern spazieren. Das war schon mal ein sehr guter Auftakt.

Direkt neben der Curio Bay liegt die Porpoise Bay, mit sehr schönem langen Strand, wo wir gleich am nächsten Tag surfen waren. Um auch am Tag darauf gute Wellen zu erwischen, holten wir morgens um halb sechs unsere Surfbretter ab und gingen den schmalen Weg hinunter zum Strand.

Schlaftrunken wären wir dabei fast auf einen 370 kg Seelöwen getreten, der sich aber lautstark bemerkbar machte. Ein wenig eingeschüchtert sind wir dann lieber 150 Meter weiter ins Wasser gestiegen. Auch der Seelöwe hatte anscheinend Lust ins Wasser zu gehen. Wir dachten uns solange nichts weiter dabei, bis er direkt vor mir auftauchte und sein Maul aufriss. Nachdem die Zähne von Seelöwen ungefähr so aussehen wie die von Löwen und mein ganzer Kopf vermutlich ins Maul gepasst hätte, waren wir doch ein wenig verunsichert. Zumal wir nicht wussten ob Seelöwen ein „Revier“ haben, das sie verteidigen.

Da uns Samy, so nannten die Einheimischen den Seelöwen, wie wir später erfuhren, ein paar Mal ordentlich erschreckte und wir nur noch darauf schauten wo er als nächstes auftauchen könnte, beschlossen wir zurück an den Strand zu paddeln und an einer anderen Stelle wieder ins Wasser zu gehen.

Als wir gerade am Strand waren kam Samy angeschwommen, legte sich zwei Meter vor uns in den Sand und schaute uns mit großen Hundeaugen an. Nach dem Motto: „Wie jetzt? Das war’s schon? Ich will doch nur spielen!“. Er sah wirklich ein wenig aus wie ein nasser Hund, der einen schwanzwedelnd zum Spielen auffordert.

Wir gingen also an einer anderen Stelle wieder ins Meer und natürlich dauerte es keine 20 Sekunden und Samy der Seelöwe tauchte wieder vor uns auf. Mittlerweile hatte ich irgendwie keine Angst mehr vor ihm, zumal er immer mehr den Anschein machte nur spielen zu wollen (zum Beispiel berührte er meine Füße und tauchte dann unter dem Surfbrett hindurch um mir seine Schwanzflosse ins Gesicht zu strecken). Spätestens nachdem ich beim Surfen einer kleinen Welle quasi direkt auf ihn geflogen bin, war ich mir sicher, dass er genauso harmlos war wie ein Schoßhündchen.

Meine beiden Mitstreiter hatten immer noch jede Menge Respekt vor Samy, aber ich alberte nur noch mit ihm herum und wollte gar nicht mehr surfen. Die beste „Szene“, die ich im Kopf habe ist die: Ich bin auf meinem Surfbrett, links neben mir schwimmt Samy tollend im Wasser herum und zu allem Überfluss surfen gerade vier Hector-Delfine 20 Meter weiter rechts von mir durch eine Welle.

Für mich als Tierfreund ein unbeschreibliches Gefühl – das alles war fast wie ein Traum. Anderswo zahlen Menschen Geld um mit eingesperrten Delfinen baden zu gehen und ich spiele mit wilden Tieren im Meer – kostenlos und dazu vor wunderschöner Kulisse. Für mich ein einmaliges Erlebnis, an das ich mich wahrscheinlich auch auf meinem Sterbebett erinnern werde.

Übrigens: An Land können Seelöwen aggressiv reagieren, wenn sie sich eingeengt fühlen. Wenn sie in ihrem Element sind, haben sie aber einfach nur Spaß. Das gilt zumindest für meinen Lieblings-Seelöwen Samy.

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